Marxismus-Lenismus

Bild von Wladimir Iljitsch Lenin
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Der Marxismus-Leninismus war die offizielle Weltanschauung der früheren Sowjetunion. Er basiert auf den Lehren von Karl Marx und Friedrich Engels und wurde unter Wladimir I. Lenin (1870-1924) zur Staatsdoktrin der Sowjetunion und zur theoretischen Vorgabe für den internationalen Klassenkampf.

Der Marxismus-Leninismus unterstreicht vor allem die revolutionäre Seite des Marxismus und entwickelt dazu konkrete organisatorische und strukturelle Vorgaben. Lenin ging davon aus, dass das Proletariat als revolutionäres Subjekt auf sich allein gestellt nicht das notwendige politische Bewusstsein entwickeln kann. Dieses Bewusstsein muss ihm durch eine revolutionäre Kaderpartei erst vermittelt werden. Alle Macht innerhalb der Partei soll dabei in der Hand einer möglichst kleinen Zahl von Berufsrevolutionären konzentriert sein, die den Parteiapparat straff organisieren. Die Beschlüsse der Leitungsgremien sind strikt zu befolgen, abweichende Meinungen oder Fraktionen werden nicht geduldet. Eine demokratische Willensbildung findet nicht statt.

„Avantgarde der Arbeiterklasse“

Nach marxistisch-leninistischer Auffassung entwickelt sich die Geschichte nach allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten: Am Anfang steht eine – gewaltsame – Revolution der Arbeiterklasse („Proletarische Revolution“), die die in den sogenannten „bürgerlichen Gesellschaften“ herrschenden Kapitalisten beseitigt. Die so errungene Macht wird durch eine „Diktatur des Proletariats“ abgesichert. Als sogenannte „Avantgarde der Arbeiterklasse“ führt die marxistisch-leninistische Kaderpartei das allein nicht handlungsfähige Proletariat. Das private Eigentum an Produktionsmitteln (Kapitalismus) wird beseitigt und die Volkswirtschaft nach zentralen Plänen entwickelt („Planwirtschaft“). Eine „sozialistische Kulturrevolution“ soll die „bürgerliche Intelligenz“ verdrängen und eine „sozialistische Intelligenz“ schaffen. Die sozialistischen Länder schließen sich zusammen („Internationalismus“) und verteidigen den Sozialismus gegen äußere und innere Feinde mit allen Mitteln. Nach marxistisch-leninistischer Auffassung ist der Sozialismus die erste (niedere) Phase der Gesellschaftsform des Kommunismus.

Für marxistisch-leninistische Kaderparteien wie die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) spielt der Marxismus-Leninismus als politisch-ideologisches Fundament nach wie vor eine bedeutende Rolle.