Umwelt- und Tierschutz

Rechtsextremisten versuchen, mit umweltpolitischen Themen in der Bevölkerung zu punkten. Umweltschutz wird zum „Heimatschutz“ umgedeutet und der Schutz des „eigenen Volkes“ untrennbar mit dem Schutz der Umwelt verbunden. Damit knüpfen die Rechtsextremisten an die Blut- und Boden-Ideologie des Nationalsozialismus an. Im Nationalsozialismus räumte man romantisch inspirierten Natur- und Heimatschutzbestrebungen einen zentralen ideologischen Stellwert ein. Hitler ließ sich in der NS-Propaganda gerne als Vegetarier und Tierfreund inszenieren.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen Rechtsextremisten das Aktionsfeld Naturschutz auch programmatisch. Dies zeigt sich beispielsweise im NPD-Programm von 1973, das einen eigenen Abschnitt „Volksgesundheit und Umweltschutz“ enthielt. Auch im aktuellen Parteiprogramm der NPD gibt es ein Kapitel „Landwirtschaft und Naturschutz“. Themenfelder wie Gentechnik, Massentierhaltung oder regenerative Energien versucht die NPD immer wieder für ihre Parteipropaganda zu nutzen.

Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“

In Bayern ist derzeit insbesondere der Verein „Midgard e.V.“ der rechtsextremistischen Ökologiebewegung zuzurechnen. Dem Vereinsvorstand gehören überwiegend Rechtsextremisten an, die zum Teil in der NPD aktiv waren oder sind. Der 2006 gegründete Verein mit Sitz in Landshut gibt die Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ heraus. Dieses Magazin befasst sich nur vordergründig mit ökologischen Themen. Tatsächlich werden Umwelt-, Natur- und Tierschutz zum „Heimatschutz“ uminterpretiert und in den Kontext der völkischen Bewegung gestellt. Der Schutz des eigenen Volkes sei untrennbar mit dem Schutz der Umwelt verbunden, so die Botschaft. Als Heimat definiert das Magazin einen Lebensraum mit einer angestammten homogenen Volksgemeinschaft und deren Kulturgut, die es gegen Fremdeinflüsse zu verteidigen gelte. „Volk und Heimat“ wird als Gegenmodell zur globalisierten Welt dargestellt.

Rechtsextremistische Tierschutzkampagne

Auch Neonazis versuchen, ihre Weltanschauung über das Vehikel des Umwelt- und Tierschutzes in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren. Mit einer Tierschutzkampagne im Umfeld von Zirkussen wollten sich bayerische Neonazis die Tierliebe vieler Bürger zunutze machen. Teils kostümiert auftretende Aktivisten verteilten Flyer und beklebten Werbetafeln mit Info-Zetteln, auf denen sie sich gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben aussprachen. Ziel der Neonazis war, über das Thema Tierschutz einen Erstkontakt zu Bevölkerungskreisen herzustellen, die sie mit eindeutig rechtsextremistisch geprägten Themen nicht erreichen könnten. Damit wollten sie Nachwuchs für ihre Kameradschaften und Gruppierungen rekrutieren.