Jugendszenen und Subkulturen

Rechte marschieren in Parchim
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Der deutsche Rechtsextremismus wurde lange durch den rechtsextremistischen Teil der Skinheadszene bestimmt. Der Einfluss dieser Szene hat mittlerweile stark abgenommen. Gleichwohl entstammen die heutigen Führungsaktivisten noch größtenteils dieser Subkultur.

Die in England in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren entstandene Skinhead-Bewegung spaltete sich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in mehrere Teilszenen auf – darunter auch eine rechtsextremistische Skinheadszene. Diese Entwicklung trieb vor allem Ian Stuart Donaldson (1957-1993) von der rechtsextremistischen Band Skrewdriver voran. Donaldson wird nach wie vor von rechtsextremistischen Skinheads verehrt. Für ihn war rechtsextremistische Musik, genannt „Rock against Communism“ (RAC), das ideale Mittel, um junge Skinheads von seiner rechtsextremistischen Weltanschauung zu überzeugen. Aus diesem Grund rief er die in Deutschland mittlerweile verbotene Organisation „Blood and Honour“ (B&H) ins Leben. Deren Ziel war es, durch die Organisation entsprechender Konzerte rechtsextremistisches Gedankengut zu verbreiten und zu fördern.

Rechtsextremistische Skinheads

Anfang der 1980er Jahre schwappte die Skinheadbewegung mit ihrem rechtsextremistischen Teil nach Deutschland. Schon früh bildeten sich erste Bands, die mit harter Gitarrenmusik den Geschmack der rechtsextremistischen Skinheads trafen. Durch Berichte in den Medien wurde der Begriff Skinheads bald zum Synonym für jugendliche Rechtsextremisten. Vor allem nach der deutschen Wiedervereinigung, in den 1990er Jahren, breitete sich das Phänomen des jugendlichen und subkulturellen Rechtsextremismus in Deutschland aus. War der westdeutsche Rechtsextremismus bis dahin vor allem durch feste Organisationen und Parteien geprägt, so war der ostdeutsche vor allem jugendlich und subkulturell. Im Laufe der Jahre nach der Wiedervereinigung nivellierte sich allerdings dieser Unterschied. Im Jahr 2000 verbot das Bundesministerium des Innern die rechtsextremistische Skinheadorganisation B&H. Im Ausland besteht diese Organisation noch heute fort und führt weiterhin Konzerte durch, die regelmäßig auch deutsche Rechtsextremisten anziehen. Mittlerweile hat die Bedeutung der rechtsextremistischen Skinheadszene in Bayern stark abgenommen, viele sind in die rechtsextremistische Neonaziszene abgewandert.

Autonome Nationalisten

Im Gegensatz zu den Skinheads, die in der Regel ein eher diffuses rechtsextremistisches Weltbild hatten, vertreten die Anhänger der Autonomen Nationalisten (AN) eine klar neonazistische Ideologie. Die jugendkulturelle Strömung der Autonomen Nationalisten entwickelte sich Mitte der 2000er Jahre. Die AN sind zwar eine Minderheit im rechtsextremistischen Spektrum geblieben, sie sind bis heute jedoch stilprägend für den jugendlichen Rechtsextremismus. Die rechtsextremistische Szene versuchte damit, ihrer verfassungsfeindlichen Ideologie außerhalb der bisherigen Milieugrenzen Gehör zu verschaffen, insbesondere auch bei Jugendlichen, die nicht der Skinheadszene angehörten. Sprache und Ästhetik wurden dazu modifiziert: In Stil, Auftreten, Sprach- und Bekleidungscodes orientierten sich die Autonomen Nationalisten an den linksextremistischen Autonomen. Bislang als „undeutsch“ verpönte englische Begriffe und Slogans hielten Einzug in die rechtsextremistische Szene. Auf Demonstrationen trat man – ähnlich wie der linksextremistische Schwarze Block – verstärkt in einheitlicher schwarzer Kleidung mit Sonnenbrillen, Caps und Buttons mit rechtsextremistischen Parolen und Zeichen auf. Auch kamen neue Musikstile hinzu, die mit rechtsextremistischen Texten aufgeladen wurden. Selbst rechtsextremistische Hip-Hop-Künstler traten vereinzelt in Erscheinung. Vor einigen Jahren wäre Hip-Hop unter Rechtsextremisten noch als „undeutsch“ abgelehnt worden. Offen ist die Szene aber nur gegenüber modischen Erscheinungsformen. Der politische Inhalt bleibt derselbe.