Situation in Bayern

Die Aktivitäten der extremistischen Ausländerorganisationen in Deutschland werden im Wesentlichen von politischen Ereignissen und Entwicklungen in den jeweiligen Herkunftsländern beeinflusst. So können aktuelle Konflikte im Ausland auch unmittelbar zu gewaltsamen Aktivitäten in Deutschland führen. Zum Teil tragen die extremistischen Ausländerorganisationen ihre Konflikte hier auch gewalttätig untereinander aus.

PKK

Logo der PKK
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Die PKK ist die größte – nicht islamistische – extremistische Ausländerorganisation in Deutschland. In Bayern verfügt sie über 1.800 Anhänger. Bei der PKK handelt es sich um eine Kaderorganisation mit einem weit verzweigten Funktionärswesen und strikten Befehlsstrukturen auch in Deutschland. In den meisten größeren deutschen Städten gibt es Zusammenschlüsse von PKK-Anhängern.

Die von Abdullah Öcalan 1978 in Ostanatolien als marxistisch-leninistisch orientierte Organisation gegründete PKK hat aktuell das Ziel, einen föderalen Verbund aller Kurden im Nahen Osten herzustellen.

Bei ihren Aktivitäten verfolgt die PKK weiterhin eine Doppelstrategie. Während sie auf dem Gebiet der Türkei nach wie vor in der Lage ist, terroristische Aktivitäten zu entfalten, nutzt sie das übrige Europa als Rückzugs-, Finanzierungs- und Rekrutierungsraum.

In Deutschland sind Aktivitäten von PKK-Anhängern insbesondere bei Veranstaltungen der Kultur- und Brauchtumspflege wie dem alljährlichen kurdischen Neujahrsfest Newroz offen wahrnehmbar.

Trotz eines vereinsrechtlichen Betätigungsverbots gibt es weiterhin Aktivitäten der PKK-Anhänger in Deutschland. Ein Nachweis, dass ihre Betätigung der Organisation zuzurechnen ist, lässt sich jedoch oft nur im Einzelfall führen.

Türkische Linksextremisten

Logo der DHKP-C
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Zu den in Bayern aktiven linksextremistischen türkischen Ausländerorganisationen gehören die DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-Front) / Devrimci Sol (Revolutionäre Linke), die Türkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten – Partizan-Flügel (TKP/ML – Partizan-Flügel), die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) und ihre Jugendorganisation Young Struggle (YS).

Die revolutionär-marxistische DHKP-C zählt zu den militantesten türkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des türkischen Staates zielen. Anhänger der DHKP-C sind auch in Deutschland aktiv. In Bayern verfügt sie über 80 Mitglieder.

Die TKP/ML – Partizan Flügel vertritt die Ideologie des Marxismus-Leninismus, ergänzt um die Ideen Mao Tse-tungs. Sie befürwortet den bewaffneten Kampf und propagiert den bewaffneten Bürgerkrieg. Ziel ist die Errichtung eines kommunistischen Regimes. In Bayern gibt es 80 Mitglieder.

Die MLKP ist marxistisch-leninistisch geprägt und strebt die gewaltsame Zerschlagung der staatlichen Ordnung der Türkei und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur an. Mit ihrer Jugendorganisation Young Struggle gelingt es der MLKP, auch junge Menschen in Bayern zu mobilisieren. In Bayern verfügt die MLKP über 40 Mitglieder.

Türkische Nationalisten

Logo der Ülkücü-Bewegung
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Anhänger eines extrem türkischen Nationalismus sind in der Ülkücü- (Idealisten-) Bewegung organisiert. Sie umfasst ein breites Spektrum ultranationalistischen und rassistischen Gedankenguts. Symbol der Bewegung ist ein mit fünf Fingern stilisierter Wolfskopf, weshalb die Anhänger der Bewegung auch als „Graue Wölfe“ bezeichnet werden.

Die Anhängerschaft der Ülkücü-Bewegung in Deutschland ist in sogenannten Kultur- und Idealisten-Vereinen der Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (ADÜTDF) organisiert. In Bayern ist die ADÜTDF mit ihren 1.350 Mitgliedern vor allem mit kulturellen, religiösen und sportlichen Veranstaltungen aktiv, vermutlich auch um neue Mitglieder zu werben. Schwerpunkte sind die Ballungsräume München, Nürnberg und Augsburg.

LTTE

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Anhänger separatistischer Organisationen unterstützen von Deutschland aus gewaltsame Bestrebungen zur Loslösung ihrer Heimatgebiete und zur Schaffung eigener Staaten.

Bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) handelt es sich um eine paramilitärische Separatistenorganisation auf Sri Lanka mit dem Ziel eines unabhängigen tamilischen Staates.

In Deutschland tritt die LTTE unter ihrem eigentlichen Namen öffentlich nicht auf. Ihre Ziele und Interessen werden hier durch das Tamil Coordination Committee (TCC) mit Sitz in Oberhausen/Nordrhein-Westfalen und zahlreiche nahestehende Organisationen vertreten.

Die Ballungsräume München und Nürnberg sind regionale Schwerpunkte der etwa 30 Personen umfassenden Anhängerschaft in Bayern.