Rechtsextremistischer Hass 2.0

Die Hasskampagnen gegen Asylbeweber, die derzeit von vielen rechtsextremistischen Organisationen ausgehen, zeigen, dass die Szene immer professioneller Gebrauch macht von den technischen Möglichkeiten des Web 2.0. Die statische Homepage ist nur noch ein Instrument unter vielen, sie wird verknüpft mit dem Social Web und mit multimedialen Angeboten, die teilweise auch Podcasts umfassen.

In sozialen Netzwerken wie Facebook häufen sich zudem Profile, die sich gegen die Einrichtung von Asylbewerberunterkünften in einzelnen Ortschaften wenden und an denen bei genauerem Hinsehen eine rechtsextremistische Urheberschaft erkennbar ist. Ein Beispiel hierfür ist die Kampagne „Stopp…“, die mit diversen Profilen für verschiedene Orte im Allgäu auf Facebook vertreten ist und dort einseitig negative Meldungen über Flüchtlinge verbreitet. Dabei werden typische Redemuster der rechtsextremistischen Szene aufgegriffen wie „Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land“, ein Slogan, der gleichlautend auch von der NPD bekannt ist. Mehr noch als bei offensichtlich rechtsextremistischen Homepages besteht in sozialen Netzwerken und auf Videoportalen die Gefahr, dass die Nutzer, ohne es zu bemerken, rechtsextremistischer Propaganda ausgesetzt sind.

Orientierung an geändertem Nutzungsverhalten

Zunehmend orientieren sich Rechtsextremisten an einem geänderten Internet-Nutzungsverhalten, bei dem mobile Endgeräte wie Smartphones eine immer größere Rolle spielen. Mit der Nachrichten-App „widerstand.info“ ist in der rechtsextremistischen Szene eine Android-App entstanden, die als „News-Aggregator“ dient. Meldungen rechtsextremistischer Organisationen wie der Partei Der Dritte Weg (III. Weg), der Partei DIE RECHTE, der Bürgerinitiative Ausländerstopp München, aus der Publikation Umwelt & Aktiv sowie aus Blogs und sozialen Netzwerken werden dort gesammelt und zur Verfügung gestellt. Rechtsextremistischen Smartphone- und Tablet-Nutzer ermöglicht die App so einen schnellen Zugriff auf die Medienquellen rechtsextremistischer Organisationen und Blogs. Das kann zur szeneinternen viralen Verbreitung entsprechender Meldungen beitragen. Die Berichterstattung über Flüchtlinge ist dabei einseitig negativ, auch Gerüchte und Falschmeldungen werden gezielt verbreitet, um Ängste zu schüren.

Partei Der Dritte Weg

Die Partei Der Dritte Weg (III. Weg), die schon seit ihrer Gründung im September 2013 besonders aktiv im Internet ist und dabei vorrangig das Themenfeld Anti-Asyl besetzt, versucht ihr Angebot inzwischen auch durch Audio-Files zu erweitern. Auf ihrer Webseite ist ein „Nationales Radio“ verlinkt, über das einige Audio-Dateien abrufbar sind, darunter auch solche, die sich in rassistisch und völkisch geprägter Weise mit dem Thema Asyl und Migration befassen.

Durch rassistische Hasskampagnen gegen Asylbewerber können sich einzelne Rechtsextremisten dazu ermutigt fühlen, sich weiter zu radikalisieren bzw. gewalttätige Aktionen durchzuführen. Impulsgebend können solche Hasskampagnen aber auch wirken auf Personen, die bislang nicht in rechtsextremistischen Strukturen verankert waren, aber der Szene ideologisch nahestehen. Auch von solchen Personen können rassistisch motivierte Gewalttaten ausgehen.