Salafismus

Salafisten orientieren sich kompromisslos an der islamischen Frühzeit vor 1.400 Jahren und wollen in Deutschland frühislamische Herrschafts- und Gesellschaftsformen einführen.

Der Salafismus ist sowohl in Deutschland wie auch international die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung. Von Salafisten geht eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus. Fast alle bisher in Deutschland identifizierten terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen waren salafistisch geprägt bzw. haben sich in salafistischen Milieus entwickelt.

Ideologie

Die ersten drei Generationen der Muslime – die sogenannten „rechtschaffenen Altvorderen“ –, an denen sich der Salafismus orientiert, werden im Arabischen „al-salaf al-salih“ genannt. Salafisten fordern von ihren Anhängern, dem Beispiel der Salaf kompromisslos zu folgen.

Das gemeinsame Ziel aller Salafisten ist es, einen schariakonformen „Gottesstaat“ mit einem Kalifen als politischer und religiöser Autorität an der Spitze zu errichten. Hierzu sollen Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach dem Vorbild der Salaf vollständig umgestaltet werden.

Die ideologischen Grundsätze des Salafismus sind somit unvereinbar mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerten Prinzipien, insbesondere der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der Menschenwürde basierenden politischen Ordnung.

Strömungen

Der Salafismus ist keine einheitliche Bewegung. In Deutschland gibt es zwei extremistische Strömungen des Salafismus: den politischen und den jihadistischen Salafismus. Sie unterscheiden sich in der Wahl der Mittel, mit denen sie ihre extremistischen Ziele erreichen wollen. Die Übergänge zwischen beiden Strömungen sind fließend.

Politische Salafisten versuchen, ihre Ideologie durch intensive Propagandaaktivitäten zu verbreiten, um die Gesellschaft in einem langfristigen Prozess nach salafistischen Normen zu verändern. Durch seine radikalisierende Wirkung bildet der politische Salafismus den Nährboden für terroristische Aktionen.

Jihadistische Salafisten befürworten eine unmittelbare und sofortige Gewaltanwendung. Für sie ist es die individuelle Pflicht eines jeden Muslims, sich am bewaffneten Kampf gegen aus ihrer Sicht unislamische Verhältnisse zu beteiligen.

Strukturen

Auch in bayerischen Städten sind Aktivitäten einer sich in Netzwerken organisierenden Anhängerschaft der salafistischen Ideologie zu beobachten. Salafistische Vereine, die oft Träger salafistisch geprägter Moscheen sind, dienen als Plattform für Salafisten. Hier treten – teilweise in regelmäßigen Abständen – Prediger auf, die ihr salafistisches Gedankengut verbreiten. Daneben gibt es lose Personennetzwerke und unabhängig agierende Einzelpersonen.

Radikalisierungspotenzial

Salafisten verbreiten ihre Propaganda („da´wa“) vor allem über das Internet. Wer nach Informationen über den Islam sucht, stößt sehr schnell auf Internetangebote, die eine salafistisch-extremistische Auslegung des Islam als die einzig richtige ausgeben. Gerade für Internetnutzer mit geringen Vorkenntnissen über den Islam ist es schwer, solche Darstellungen als irreführend zu erkennen.

Auch für den jihadistischen Salafismus spielt das Internet eine große Rolle: In jedem Land der Welt können sich Sympathisanten mit Lehrmaterial aus dem Internet ausbilden, um am weltweiten Kampf teilzunehmen. Hauptzielgruppe salafistischer Internetseiten sind muslimische Jugendliche mit Migrationshintergrund oder Konvertiten. Viele von ihnen verbringen einen Großteil ihres Alltags in sozialen Netzwerken oder Online-Diskussionsforen.

Salafisten rekrutieren neue Anhänger aber nicht nur über das Internet. An salafistischen Infoständen in Fußgängerzonen werden auch Passanten angesprochen, um ein erstes Interesse an der Ideologie des Salafismus zu wecken. Ein weiterer wichtiger Bestandteil salafistischer Propaganda sind auch sogenannte „Islamseminare“. Auf den meist mehrtätigen Veranstaltungen sollen salafistische Inhalte und Gemeinschaftsgefühl vermittelt werden. In der Regel treten bundesweit aktive salafistische Prediger auf, die ihre salafistisch – teilweise sogar jihadistisch – geprägten Vorträge an ein Publikum aus überwiegend Gleichgesinnten richten.

Infolge der ideologischen Indoktrinierung kann die Bereitschaft zur eigenen Teilnahme an terroristischen Aktionen wachsen. Die überwiegende Mehrheit islamistischer Gewalttäter wurde durch Kontakte mit spirituellen Führern oder durch die Bestätigung Gleichgesinnter aus dem salafistischen Spektrum radikalisiert und zu gewalttätigen Handlungen animiert.