Das Bild zeigt zwei Personen bei der Abwicklung eines Drogengeschäftes.
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Italienische OK

Die derzeit bedeutendsten Mafiagruppierungen in Italien sind die `Ndrangheta in Kalabrien, die Camorra im Gebiet um Neapel, die Cosa Nostra auf Sizilien sowie die Sacra Corona Unita in Apulien. Der geschätzte Jahresumsatz dieser vier Syndikate beläuft sich auf rund 140 Milliarden Euro.

Im Rahmen ihrer globalen Ausbreitung sind viele Familienclans seit etlichen Jahren auch in Deutschland sesshaft. In Bayern können derzeit mehr als 130 Personen den vier großen italienischen Mafia-Syndikaten zugeordnet werden.

Clan-Strukturen

Die Clan-Strukturen in Deutschland ähneln denen in Italien, insbesondere die `Ndrangheta nutzt ihre organisatorische Geschlossenheit auch im Ausland: Die hier ansässigen Clanfamilien sind in kriminelle hierarchische Strukturen eingeteilt, arbeiten eigenverantwortlich und besitzen die gleichen Rechte und Pflichten wie die Clans in Italien. Ein enger Kontakt zum „Mutterhaus“ in San Luca bleibt dennoch bestehen.

Immer wieder sind Besuche von Autoritäten aus Italien festzustellen, die den Aufbau der Clans und den reibungslosen Ablauf in Deutschland kontrollieren.

Sogenannte Mitgliedertaufen werden von den Clans eigenverantwortlich vor Ort - auch in Deutschland - durchgeführt. Der wichtigste Teil der Aufnahmezeremonie ist der Treueschwur: Das Neumitglied verbrennt ein Heiligenbild in seiner Handfläche und spricht dabei den Treueeid. In Symbolik und Ritualen lehnt sich die Mafia eng an die katholische Kirche an. Im Juni 2015 hat mit Papst Franziskus erstmals ein Oberhaupt der katholischen Kirche sämtliche Mitglieder der Mafia aus der Kirche ausgeschlossen. Diese Exkommunikation hat Selbstverständnis und Identität der Mafia grundlegend infrage gestellt.

Gesetz des Schweigens

Um sich vor Eingriffen der Behörden zu schützen, gilt innerhalb der italienischen Mafia die sogenannte „Omertà“. Dieses „Gesetz des Schweigens“ verbietet es Mitgliedern, mit Nicht-Angehörigen über interne Angelegenheiten zu sprechen oder gegenüber Polizei und Justiz Aussagen zu machen. Innerhalb der `Ndrangheta entfaltet die „Omertà“ aufgrund der weitreichenden Blutsverwandtschaft ihrer Mitglieder besondere Wirkung. Mittlerweile werden vermehrt Zwangsheiraten zwischen den verschiedenen Familienclans angeordnet, um den internen Zusammenhalt der kriminellen Gruppierung zu stärken.

In Bayern liegen die legalen Geschäftszweige der italienischen Mafia vorrangig in der Gastronomie. Zu den illegalen Betätigungsfeldern zählen Rauschgifthandel, Geldwäsche, Erpressung und Zinswucher.