Salafismus

In Bayern organisieren sich die Anhänger des Salafismus in Netzwerken und regionalen Moscheevereinen. Durch intensive Propaganda- und Missionierungsarbeit (= Dawa-Arbeit) in Form von Infoständen, Vorträgen, Seminaren und Internetauftritten versuchen Salafisten in Bayern ihre Ideologie zu verbreiten. Im Rahmen von Benefizveranstaltungen sammeln sie Spendengelder u.a. für Syrien.

Mehrere Jahre lang fanden in bayerischen Fußgängerzonen regelmäßig Infostände statt, bei denen überwiegend salafistische Publikationen verteilt wurden. Im Rahmen des Projekts „Lies!“ verteilten Salafisten sowohl an Infoständen als auch mittels mobiler Teams (sog. Street-da’wa-Projekt) in bayerischen Innenstädten kostenlose Koranexemplare an Passanten. Am 15. November 2016 hat das Bundesinnenministerium die Vereinigung "Die wahre Religion (DWR)" alias "LIES! Stiftung"/"Stiftung LIES" verboten und aufgelöst. Dies bedeutet ein Verbot der Organisation von und der Teilnahme an Informations- und Verteilaktionen unter dem Logo DWR/LIES! und schließt die Verwendung von Kennzeichen und die Verbreitung von Videos und Botschaften auch im Internet ein.

Moscheen wie die El-Salam-Moschee in München, die Masjid ibn Taymiyyah-Moschee in Nürnberg, die Moschee des Islamischen Zentrums Weiden e. V., die Al-Rahman-Moschee in Regensburg und die As-Salam-Moschee in Schwandorf sind Plattformen für salafistische Vortragsveranstaltungen und salafistischen Islam- und Koranunterricht. Hier treten - teilweise in regelmäßigen Abständen - einschlägig bekannte Prediger auf, die ihr salafistische Gedankengut verbreiten. In Aschaffenburg haben die Verantwortlichen der Internetplattform Islamische Jugend Aschaffenburg bereits mehrfach bundesweit bekannte salafistische Prediger wie Sven Lau oder Pierre Vogel eingeladen.

Die Darul-Quran-Moschee in München, die in der Vergangenheit auch als Anlaufstelle für Salafisten gedient hatte, schloss Ende Oktober 2015 aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten.

Anwerbeversuche unter Flüchtlingen

Neue Anhänger für ihre extremistische Ideologie suchen Salafisten auch unter Flüchtlingen. An mehreren Orten in Bayern haben sie versucht, Kontakte zu Flüchtlingen herzustellen. Dabei steht zunächst die humanitäre Hilfe im Vordergrund. Durch soziale Unterstützung wollen Salafisten eine Vertrauensbasis schaffen. Diese können sie dann dazu missbrauchen, um ihre extremistische, integrationsfeindliche Ideologie zu transportieren. Langfristig sollen die Flüchtlinge damit als Unterstützer oder Mitglieder gewonnen werden. Eine Gefahr besteht insbesondere für junge, unbegleitete Flüchtlinge, die ohne Eltern und Verwandte nach Deutschland gekommen sind und somit besonders nach sozialer Nähe suchen. Salafistische Gruppierungen haben gezielt dazu aufgerufen, den Kontakt zu Flüchtlingen zu suchen.

Hohe Präsenz im Internet

Die salafistische Szene weist bundesweit eine auffällig hohe Präsenz im Internet auf. Auch in Bayern sind Salafisten im Internet sowohl regional als auch überregional stark vernetzt und sehr aktiv, vor allem auf den Internetplattformen Facebook und YouTube. Die zahlreichen Internetauftritte dienen der Verbreitung salafistischer Ideologie, der Rekrutierung neuer Anhänger sowie der Ankündigung und Einladung zu Veranstaltungen.