Salafistischer Infostand in einer Fußgängerzone
© Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz

Dawa-Arbeit

Salafisten versuchen, ihre Ideologie durch intensive Propagandaaktivitäten zu verbreiten. Dadurch wollen sie Staat und Gesellschaft in einem langfristigen Prozess nach salafistischen Normen umgestalten. Diese sogenannte „Da´wa“-Arbeit (arab. für „Missionierung“) betreiben sie insbesondere im Internet, über Musik sowie im Rahmen von Infoständen, Islamseminaren und Benefizveranstaltungen.

Die zunehmend professionelle Verbreitung der salafistischen Ideologie übt eine beträchtliche Anziehungskraft aus auf vor allem junge, emotional und sozial noch nicht gefestigte Muslime, darunter auch Konvertiten. Für eine Reihe von Personen aus dem salafistisch-jihadistischen Bereich sind die Dawa-Aktivitäten ein wesentlicher Baustein in ihrer Radikalisierungsbiographie.

Salafisten nutzen sogenannte Islamseminare, um ihre Inhalte zu vermitteln. In der Regel treten bundesweit bekannte salafistische Prediger auf, die ihre salafistisch – teilweise sogar jihadistisch – geprägten Vorträge an ein Publikum aus überwiegend Gleichgesinnten richten. Die Teilnehmer reisen häufig aus dem gesamten Bundesgebiet an. Sie nutzen derartige Veranstaltungen zur Kontaktpflege und versprechen sich von den dort vorgetragenen salafistischen Inhalten ein tieferes religiöses Verständnis.

Im Rahmen von Islam-Infoständen in Fußgängerzonen verteilen Salafisten überwiegend salafistische Publikationen und sprechen gezielt Passanten an, um ein erstes Interesse an der Ideologie des Salafismus zu wecken. Ziel ist es, den Islam als die „bessere“ Religion gegenüber dem Christentum oder anderen Religionen darzustellen.

Nach dem Verbot der salafistischen Vereinigung "Die wahre Religion" (DWR) des Predigers Ibrahim Abou Nagie am 15. November 2016 starteten die Salafisten Pierre Vogel und Bilal Gümüs das Projekt "We love Muhammad", bei dem die Prophetenbiografie (Sira) in Fußgängerzonen verteilt wird. In Bayern fanden lediglich in München seit März 2017 vereinzelte Aktionen statt.

Das Projekt ist auch im virtuellen Raum aktiv und nutzt dort insbesondere die sozialen Netzwerke, um Kontakte zu Interessenten herzustellen: Angeboten werden eine eigene Islam-App, Hörbücher sowie der Versand der Prophetenbiographie via Online-Bestellung.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass salafistische "Da'wa"-Aktionen immer seltener im öffentlichen Raum stattfinden. Stattdessen werden neben dem Internet zunehmend auch die Privatwohnungen der Aktivisten für Treffen und Vernetzungsaktivitäten genutzt. Zum Teil kann diese Entwicklung als Reaktion auf erfolgreiche staatliche Maßnahmen gegen salafistische Missionierungsaktivitäten, wie etwa das Verbot der Vereinigung "Die wahre Religion" im Jahr 2016, betrachtet werden. Aktivisten scheuen sich, öffentlich mit salafistischen Bestrebungen in Zusammenhang gebracht zu werden. Moscheen sehen - u. a. aufgrund zahlreicher behördlicher Sensibilisierungsmaßnahmen - vermehrt davon ab, salafistische Prediger einzuladen und ihnen eine Plattform zu bieten.

Der Salafistenprediger Pierre Vogel rief im Mai 2017 in einem Facebook-Video seine Anhänger dazu auf, sich an die Gegebenheiten anzupassen und sich künftig bei der Missionierung junger Menschen von festen Strukturen wie z. B. Moscheen zu lösen. Geeigneter Ersatz seien laut Vogel Treffen im Rahmen von "Home Da'wa"-Treffen in privaten Wohnungen, die nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind und zu denen Prediger eingeladen werden können - oder "Street Da'wa"-Projekte, für die keine behördlichen Genehmigungen eingeholt werden müssen.

Naschids

Musik lehnen Salafisten zwar grundsätzlich ab mit der Begründung, diese sei Ausdruck der Verdorbenheit der von ihnen als gottlos und materialistisch betrachteten Welt. Sie haben jedoch eine eigene Musikkultur für sich entdeckt bzw. für ihre Zwecke umgedeutet, um die emotionalisierende Wirkung von Musik zu nutzen: den Naschid. Diese meist kurzen und melodisch einprägsamen religiösen Lieder – in der Regel ohne jede Instrumentalbegleitung – entfalten insbesondere bei Jugendlichen eine Sog- und Identifikationswirkung. Auf Grund ihres religiösen Inhalts werden Naschids von den meisten strenggläubigen Muslimen als erlaubt (arabisch: halal) angesehen.